Wanderfreunde feiern ihr 40. Jahr

Foto: Eckard Rosentreter

40 Jahre ist die Sektion Wandern in Güstrow alt. Am 17. April 1977 hatte Richard Kluge die Initiative ergriffen und sich mit fünf Wanderfreunden auf den Weg gemacht. Ein Jahr später bildeten die sportlichen Wanderfreunde eine neue Sektion in der damaligen Betriebssportgemeinschaft Lokomotive Güstrow. Weitere zwei Jahre später ist ihre Schar auf 74 Mitglieder angewachsen – mit einem Altersdurchschnitt von 40,7 Jahren. 40 Jahre später sind die nur noch zehn Mitglieder, heute im Sportverein Einheit organisiert, deutlich älter.

Am Montag trafen sie sich, verstärkt durch 20 aktive Nichtvereinsmitglieder, in ihrem „Stammlokal“ Jugendherberge Schabernack, um den runden Geburtstag der „Wanderfreunde Ernst Barlach“ zu feiern. Natürlich zünftig, mit einer Wanderung in die Umgebung Güstrows vorneweg, 14 Kilometer lang. Lobende Worte für ihr Engagement fand Lutz da Cunha als Vorsitzender des SV Einheit. Als früherer Landrat habe er öfter mal mit Nestor Richard Kluge zu tun gehabt. „Sein Engagement habe ich sehr schätzen gelernt und ich wünschte mir, dass heute noch viel mehr und jüngere Menschen sich so engagieren würden“, sagte da Cunha und versprach der kleinen Abteilung weiter gebührende Unterstützung durch den Verein.

Nach der erforderlichen Stärkung nach der 14-Kilometer-Tour des Tages war das große Erinnern an 40 Jahre Güstrower Wanderbewegung angesagt. In vier Gruppen, unterteilt in Lang-, Mittel- und Kurzstreckler, waren die Güstrower Sportwanderer bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung unterwegs. Richard Kluge war natürlich auch erster Übungsleiter, bekam aber rasch Unterstützung durch Annemarie Czepluch, Olaf Hinrichs, Heinz Gustke und Heinz König, die sich als Wanderleiter betätigten. Von anfangs elf auf 25 und 49 Wanderungen schon im Jahr 1979 steigerten sie ihre Aktivitäten. Die Güstrower Wanderer wurden schnell fester Bestandteil der Wanderbewegung in der DDR, waren an allen Ecken der Republik unterwegs.

Richard Kluges Beharrlichkeit war es zu verdanken, dass auch die schwierige Wendezeit gemeistert wurde. Weil nur wenige Eisenbahner zu ihnen gehörten, musste sich die Abteilung von der „Lok“ abkoppeln. Zwei Jahre ging es unter der Ägide der Volkshochschule weiter, ehe man im SV Einheit eine neue Vereins-Heimstatt gefunden hatte. Unverdrossen kämpfte Richard Kluge um die Reputation der Güstrower Wanderer. So gelang es ihm, für seine Mitstreiter den Ehrentitel „Wanderfreunde Ernst Barlach“ zu erwerben. Seither stellen die „Wege zu Ernst Barlach das alljährliche Aushängeschild ihrer Aktivitäten mit weit überregionaler Bekanntheit dar. 1997 erwies ihnen sogar Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit einem Besuch die Ehre. Die Wende schließlich eröffnete den Wanderern auch neue Wege. So ging es 1993 zum ersten Mal ins Ausland, nach Österreich, und ein Jahr später wagten sich einige sogar ans Nordkap.

Bis zu 100 Kilometer waren die Langstreckler einst bei einigen der Republik-offenen Wanderungen unterwegs. Natürlich ist das heute – altersbedingt – nicht mehr erreichbar, doch die Anzahl der Wanderungen im Jahresverlauf – kaum eine Woche wird ausgelassen – sei in den Dimensionen wie zu besten Zeiten, erklärt Wiltrud Wendland stolz. 2004 hatte die jetzt 76-Jährige von Anni Kluge das Zepter in der Abteilung Wandern übernommen, nachdem sie nach Richard Kluges Tod 1999 bereits die Leitung der Touren organisierte. Seit 1993 gehört Wiltrud Wendland zur Gruppe. „Dienstältestes“ Mitglied, seit 1980, ist Hanna Hannemann.

SVZ, Güstrower Anzeiger 4.04.2017